Lobo08

Aphorismen, Gedichte, Erzählungen
 

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Achtern   ist ein norddeutscher Begriff aus der Seemannsprache. Er bedeutet so viel wie „hinten“ Am bekanntesten dürfte der Begriff „Achterdeck“ sein.

 

Achtersinnig  wäre dann wörtlich mit „hintersinnig“ zu übersetzen. Und so sind die Gedichte auch zu verstehen.

Sie scheinen oft ganz einfach daher zu kommen und enden dann ganz unvermutete in Fragen oder Wendungen, die zum Nachdenken anregen oder gar das vorher gesagte scheinbar widerlegen

 

So gesehen könnte achtersinnig auch mit „hinterhältig“ übersetzt werden.

 

 

 

 

 

 

 

Menschen wie du und ich

 

Auf Bahnhöfen stehen sie

teilnahmslos

Maschinen gleich.

 

Der Zug hat voraussichtlich Verspätung.

Es funktioniert doch

sie funktionieren,

wenn der Zug endlich einfährt.

 

Was für Fragen mag sie bewegen,

welche Schicksale lähmen?

 

Vorsicht bei der Abfahrt des  Zuges.

 

© Wolf Döhner

 

 

 

 

 

 

 

Zur Erinnerung

 

Je weniger man in den Wald ruft

desto seltener schallt es zurück.

 

Je weniger Schall,

desto dünner die Luft.

 

Je dünner die Luft,

desto stirbt man.

 

© Wolf Döhner

 

 

 

 

Geliebte Freundin

Hommage an Khalil Gibran

 

Du bist nicht meine Freundin, noch meine Geliebte.

Vergeblich ist es, ich weiß es, dir zu erklären, warum.

Du wirst mich lieben trotzdem, oder deswegen-

sagst du.

Liebe nur. Im Lieben liegt der Sinn des Lebens.

 

Geliebte.

Ich weiß, die Liebe ist langmütig und freundlich,

sie erfreut mich und dich

und treibt keinen Mutwillen,

noch bläht sie sich auf.

Sie sucht nicht das Ihre,

noch rechnet sie das Böse zu.

 

Aber du erschlägst mich mit deiner Liebe.

Meine Masken werden nutzlos,

weil du mir ins Herz schaust- oder doch

zu schauen vorgibst.

 

Doch du schaust an mir vorbei,

beachtest die Masken mehr,

die im Staub liegen, als mich.

In deren toten Augen spiegelt sich

deine Liebe.


Geliebte Freundin, liebe mich.

Es tut dir gut, oft auch mir.

Aber vergiss nicht , dass auch du

Masken trägst.

Welche deiner Masken liebt mich gerade?

 

© Wolf Döhner

 

 

 

 

Metaphern

 

Metaphern sind Krücken,

um Leben zu beschreiben.

 

Krücken sind Metaphern

Um Leben zu ertragen.

 

Leben ist unerträglich

Nur in Metaphern.

 

© Wolf Döhner

 

 

 

 

Der Käfer

 

Siehst du den Käfer auf dem Ast?

Er kennt nur diesen einen Weg.

Die Qual der Wahl auf seiner Bahn

Die ist ihm einerlei und fremd.

Er geht  und wenn ihn etwas hemmt,

Dann  fällt er –

Und geht weiter.

Er kann nur gehen

Endlos - heiter?

 

© Wolf Döhner